Punkte, Werte, Scores

27. Juni 2011

Influencers. © Joon Mo Kang/ NYT.

Scoring ist so eines dieser hübschen, neuen Wörter, das viele möglicherweise noch nicht gehört haben oder nicht genau wissen, was sich dahinter verbirgt. Dennoch sind wir alle, ob wissend oder unwissend, davon betroffen — denn wir alle werden “gescored”.


An meinem freien Tag heute sitze ich mit einer Tasse frischen Kaffees vor dem MacBook, lausche den zwitschernden Vögeln draußen in der Realität und denen in meiner Twitter-Timeline. Nichts Böses ahnend scrolle ich durch und bleibe an einem Tweet von Richard Gutjahr hängen:

Tweet von Richard Gutjahr

Der Tweet führt mich zur Website der New York Times, die schreibt:

IMAGINE a world in which we are assigned a number that indicates how influential we are. This number would help determine whether you receive a job, a hotel-room upgrade or free samples at the supermarket. If your influence score is low, you don’t get the promotion, the suite or the complimentary cookies.
This is not science fiction. It’s happening to millions of social network users.

Influencers. © Joon Mo Kang/ NYT.Es gibt, natürlich, bereits zahlreiche Firmen, die sich ausschließlich damit beschäftigen, Menschen auf Grund ihrer Aktivitäten in Social Communities wie Facebook oder auf anderen Plattformen wie Twitter in einer Scoring-Punkte-Liste zu bewerten. Dabei entstehen neue Datensätze über mich, meine Aktivitäten und eine Art Wert für die Gesellschaft/ meinen Arbeitgeber/ wen auch immer. Und natürlich gibt es wieder andere Firmen, die diese Daten kaufen und verwenden.

Neben diesen Bewertungssystemen gibt es aber noch viele andere: meine Zahlungsfähigkeit wird u.a. beispielsweise nach meinem Wohnort bemessen. Lebe ich in einer sozial schwachen Gegend, bekomme ich möglicherweise nicht mehr den neuen Handy-Vertrag oder einen Kredit.

It’s going to be publicly accessible to the people you date, the people you work for. It’s fast becoming mainstream.

Im Artikel der NYT werden nun Firmen genannt, die meinen Einfluss in der Gesellschaft auf Basis meiner Netz-Aktivitäten bemessen. Habe ich einen hohen Scoring-Wert, werde ich vielleicht erst für die Firma interessant, bei der ich mich beworben habe. Ist mein Wert gering, bekomme ich den Job erst gar nicht. Schöne neue Welt!

Werbung wird mir zukünftig wahrscheinlich unter anderem auf Basis dieser Werte im Netz angezeigt. Audi scheint einer der Kunden dieser Scoring-Firmen zu sein, die entsprechendes umsetzen wollen.

Was aber passiert, wenn mein Scoring-Wert nicht der tatsächlichen Realität entspricht? Denn egal wie die Messung durchgeführt wird — sie ist und bleibt subjektiv und damit massiv fehleranfällig.

No wonder some people are trying to game their scores. Attaining true influence requires time and commitment. And while your flesh-and-blood self deserves a break every now and then, your digital self will pay the price.
“I went on vacation for two weeks,” said Mr. Schaefer, “and my Klout score went down.”

Ich finde das wirklich erschreckend.

Quellennachweise

  • Artikelbild © Joon Mo Kang/ New York Times.
  • The New York Times SundayReview. Got Twitter? You’ve Been Scored von Stephanie Rosenbloom. Erschienen am 25. Juni 2011.

2 thoughts on “Punkte, Werte, Scores

  1. 27th Juni 2011

    Stephan Schmidt

      #

    Kennst Du Klout (http://klout.com)?

    • 27th Juni 2011

      Stefan Schopohl

        #

      Kennen wäre übertrieben. Ich hab mir das irgendwann mal angeschaut, und im NYT-Artikel wird es ja auch erwähnt…

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